Katerstimmung ohne Alkohol.
Ich versuche gerade, den heutigen Tag im Kopf zu rekonstruieren, aber mein Hirn fühlt sich an wie Wackelpudding. Der Elan von gestern? Weg. Ich habe mich gestern wohl komplett ausgepowert (Zuschauen ist anstrengend!). Nachdem ich nachts um 22 Uhr noch heldenhaft eine Soljanka für die Truppe gekocht habe, bin ich ins Bett gefallen wie ein nasser Sack Zement. Licht aus, Patrick aus.
Mission Impossible: Garage
Da die Bauarbeiter heute gnädigerweise erst eine halbe Stunde später anfangen wollten, habe ich mir den Luxus gegönnt, den Wecker ebenfalls zu verschieben. Ich wache auf, strecke mich, denke an Kaffee – und dann trifft es mich wie ein Blitz: Shit. Ich komme nicht in die Garage.
Mein Schwiegervater, in seiner unendlichen Weisheit und Fürsorge, hat gestern Abend das „Operationscenter“ abgeschlossen… Und den Schlüssel mitgenommen… Zu sich nach Hause.
Es ist 6:00 Uhr.
Ich habe zwei Optionen:
- Meine Schwiegerleute aus dem Bett klingeln und den sicheren Familientod sterben.
- Die „Walk of Shame“-SMS an Tobias, den Vorarbeiter, schreiben.
Ich wählte Tor 2: „Morgen Tobias. Garagentor und Kaffee erst zwischen 8 und 9 Uhr. Sorry!“
Der Start in den Tag war also eher … holprig. Ich habe die erste Stunde mehr oder weniger verbummelt, drei Liter Kaffee vorgekocht und bin dann zur Baustelle gedüst.


Das Phantom-Haus
An der Baustelle angekommen: Ernüchterung. Es sah aus wie gestern Abend. Aber wie eine Kurzrecherche ergab (Physiklehrer-Modus an), war das kein Stillstand, sondern Vorbereitung.
Bis 11:00 Uhr passierte optisch nichts. Aber dann: Explosion. Zwischen 11:00 und 13:00 Uhr stand plötzlich das komplette Obergeschoss. Innenwände, Außenwände – zack, bum, fertig.
Ich dachte in meinem jugendlichen Leichtsinn: „Joa, dann kommt jetzt das Dach, oder?“ Fehlanzeige. Die Geschossdecke hat die Männer ordentlich beschäftigt. Gegen 16:00 Uhr war der Kasten dicht, aber der Kranführer winkte ab: Dach abladen ja, draufsetzen nein. Feierabend für den Kran. (Denkste!)








Der Soljanka-Boykott (vorerst)
Es ist echt krank. Die Leute arbeiten im Akkord. Pause? Fehlanzeige. Meine liebevoll gekochte Soljanka wurde bis 17:00 Uhr mit Missachtung gestraft.
Dafür verschwanden Kaffee und Süßkram in einer Tour. Die Jungs haben das Zeug einfach mit ins Obergeschoss geschleppt und während der Arbeit inhaliert. Respekt bei dem Schmuddelwetter – es war nasskalt und windig. Wahrscheinlich hält der Zucker den Motor am Laufen.
Vorarbeiter des Jahres (und der Werks-Pfusch)
Als ich nach 17:00 Uhr mit meiner Frau zur „Reste-Rettung“ (leere Kannen holen) aufkreuzte, fiel uns eine Kleinigkeit auf: Die komplette Außenwand im Obergeschoss auf der Nordseite fehlte.

Einfach weg. Ein Loch im Haus. Tobias, der eigentlich immer wirkt, als würde er drei Marathons gleichzeitig laufen, mussten wir trotzdem heranwinken. „Sorry, wir wollen euch nicht bei der Arbeit stören, aber uns ist das eine Klitzekleinigkeit aufgefallen…“
Die Erklärung: Ein Gruß aus dem Werk. An der Stelle, wo unsere Garage anschließt, wurde im Erdgeschoss werkseitig brav die Dämmung für die Zwischendecke angebracht. Im Obergeschoss? Vergessen. Ergebnis: Die Dämmung war zu dünn und hatte einen Versatz von 3,5 cm.
Jetzt kommt der Punkt, warum ich froh bin, mit Profis zu bauen:
Ein 08/15-Pfuscher hätte da wahrscheinlich einfach Bauschaum reingejagt, Platte drauf, „merkt ja keiner“. Hätten wir gemerkt. Spätestens, wenn uns in fünf Jahren der Schimmel hallo sagt (Stichwort: Wärmebrücke). Tobias hat entschieden die Wand stattdessen komplett wieder wegzunehmen, um die Dämmung manuell zu korrigieren. Das ist ärgerlich, kostet Zeit, aber es ist die einzig richtige Lösung. Ehrenmann!
Happy End mit Suppe
Während wir noch über die fehlende Wand philosophierten, kam einer der Arbeiter in die Garage, um seinen Rucksack zu holen. Er sah den Topf. Er nahm zwei Schalen Soljanka. Eine Minute später kam er wieder. Er nahm noch mal zwei Schalen.
Offensichtlich hat sich die Qualität meiner Kochkünste (oder der Hunger) doch noch rumgesprochen. Der Topf ist jetzt halb leer, der Rest wird morgen serviert.
Da der Trupp noch die ganze Woche da ist (Dach dauert wohl), war ich vorhin noch schnell beim Netto. Fingerfood kaufen. Man muss die Moral der Truppe hochhalten – besonders, wenn Wände fehlen.
Glückskeks
Fehler passieren (auch im Werk).
Gute Handwerker erkennt man nicht daran, dass sie keine Fehler machen, sondern daran, dass sie eine Wand wieder abreißen, um es richtig zu machen, statt es zu vertuschen.
Morgen: Dach drauf (hoffentlich) und mehr Soljanka!

