Schlaf ist für Anfänger.

Natürlich konnte ich gestern Abend kaum ein Auge zutun. Dementsprechend gerädert schälte ich mich um 4:45 Uhr aus den Federn. Ich hatte im Vorfeld extra die KI befragt: „Wann steht man als Bauherr auf, wenn um 6:30 Uhr die ersten Arbeiten beginnen?“ Ich hatte auf eine humane 7:00 Uhr gehofft. Die Antwort war gnadenlos: „Spätestens 6:10 Uhr.“ Kaffeekochen in Mannschaftsstärke mit eingerechnet bedeutete das für mich: „4:45 Uhr ist auch eine schöne Zeit.“ Also habe ich meinen Kaffeevollautomaten im Dauerfeuerbetrieb getestet. Schnell gefrühstückt, aufgeräumt (Ordnung muss sein, auch am D-Day) und dann mit wehenden Fahnen zum Bauplatz.

6:00 Uhr – Die Party ist schon voll im Gange

Ich dachte, ich bin früh dran. Pustekuchen! Als ich um 6:00 Uhr auf den Hof rollte, war der komplette Zirkus schon da. Der Kranführer, der „Typ von der Straßensperrung“ (dessen Namen ich immer noch nicht weiß), Capo Tobias samt Truppe. Wenig später trudelten auch die Gerüstbauer ein.

Mein erster heldenhafter Akt des Tages: Ich konnte gerade noch so das Kabel über die Bodenplatte legen, um den Baustrom „greifbar“ zu machen. Sekunden später wurde die Platte zum Sperrgebiet erklärt. Eilige Markierungen wurden gesprayt, Holzklötzchen verteilt.

Der erste Dämpfer: Bürokratie am Morgen

Es wäre ja zu schön gewesen, wenn alles glattliefe. Der Typ vom Straßensperrdienst eröffnete mir trocken: „Die Dame vom Amt wollte bis Freitag die schriftliche Genehmigung schicken. Kam aber nix.“ Und Montagfrüh in Nagold jemanden beim Amt zu erreichen, ist in etwa so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Der Kranführer war „not amused“. Er stand nämlich komplett auf der Straße.

Keitel hatte aber nur eine Teilsperrung beantragt. Formaljuristisch hätte er also einen Meter Platz lassen müssen. Physikalisch völlig egal, die Straße ist so oder so zu, aber in Deutschland natürlich ein Staatsakt. Eine potenzielle Gefahrenquelle auf dem Papier. Also hingen ich und der Straßensperr-Typ abwechselnd am Telefon. Um 8:30 Uhr – Halleluja! – hatte ich jemanden an der Strippe. Hörer direkt an den Kranführer weitergereicht. Das Problem wurde „geklärt“ (hoffentlich). Keitel holt sich jetzt nachträglich die schriftliche Bestätigung. Das bedarf wohl einer „neuen Anhörung“.

Mein einziger Gedanke: Hoffentlich wird das nicht wieder teuer.

Das Schotter-Paradoxon

Wo wir gerade beim Geldverbrennen sind: Beim Bauanlaufgespräch wurde uns dringend geraten, den südlichen Platz unseres Baugebiets extra zu schottern, damit der Kran dort stehen kann. Haben wir brav gemacht.

Und jetzt? Kam ein Autokran, der sich mitten auf die Straße pflanzt. Der geschotterte Platz? Völlig unnötig. Wir haben also Boden für umsonst verdichtet. Und Keitel braucht jetzt eine Vollsperrung statt einer Teilsperrung.

Ich wiederhole mein Mantra: Hoffentlich wird das nicht teuer.

Operation Chili & Ninja-Modus

Ich wollte der perfekte Bauherr sein. Oder zumindest nicht der nervigste.

Um 10:00 Uhr gab es Kaffee. Um 13:00 Uhr folgte mein großer Auftritt im „Operationscenter Garage“: Ein riesiger Topf heißes, dampfendes Chili. Draußen war es richtiges Ekelwetter – nasskalt, ungemütlich. In der Garage gab es Wärme und Fleisch. Man hat den Jungs angemerkt, dass das genau das Richtige war.

Die Truppe hat im absoluten Akkord gearbeitet. Der erste LKW wurde komplett leergeräumt, alle Innenwände des Erdgeschosses standen, bevor überhaupt jemand an Pause dachte. Maschinen. Keine Ahnung wie die das Tag ein Tag aus bei dem Wetter durchstehen.

Ich selbst habe versucht, meine „Ninja-Taktik“ durchzuziehen:

Sporadisch anwesend sein, gucken, staunen, Infos an den Vorarbeiter weitergeben – und dann wieder verschwinden. Ich wollte gar nicht erst in die Verlegenheit kommen, dass sich der Trupp künstlich verhalten muss. Sollen sie ruhig über den Bauherren lästern, solange die Wände gerade stehen.

Fliegende Decken und Kinder

Zwischendurch trudelte meine Frau mit den Kindern und den Schwiegereltern ein. Gegen 15:00 Uhr kam die Decke geflogen.

Spektakulär? Ja. Kindgerecht? Nein. Wir mussten feststellen, dass es keine gute Idee ist, mit einer Kleinkind-Tochter zwischen schwebenden Holzdecken herumzuturnen. Der Vorarbeiter hat uns dann freundlich, aber bestimmt des Feldes verwiesen: „Guckt lieber mal von draußen.“

Haben wir brav gemacht.

Feierabend & Fazit

Gegen 17:00 Uhr war der Deckel drauf. Es wurde noch gehämmert und Restarbeiten erledigt. Wir haben uns dann verabschiedet, um den Schlafrhythmus der Kinder nicht komplett zu sprengen.

Um 19:00 Uhr kam der Anruf: Feierabend. Garage zu. Morgen früh um 6:00 Uhr geht der Wahnsinn weiter.

Idealerweise steht morgen Abend das Obergeschoss und das Dach ist drauf. Der Wettergott soll morgen noch mitspielen, ab Mittwoch ist Regen angesagt.

Drückt uns die Daumen!

Glückskeks

Egal wie gut du planst, das Amt plant langsamer.

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